Ten Tenors

9. + 10.5.06

München

Circus Krone

17.5.06

Karlsruhe

Konzerthaus

Wie alles begann…

1995 plante Network Ten (ein australischer Fernsehsender) eine große Geburtstagsfeier, die unvergesslich werden sollte. Etwas noch nie zuvor Gesehenes sollte organisiert werden. In einem Gedankenblitz hatte einer der Organisatoren den genialen Einfall: Warum nicht zehn Tenöre für Network Tens Geburtstagsfeier engagieren?! Die Idee war brillant, aber wo sollte man zehn Tenöre herbekommen…

Nachdem eine Gruppe von zehn Tenören nach vielem Suchen ausfindig gemacht werden konnte, bekamen sie drei Lieder die sie einstudieren sollten – und ein paar Proben später, waren The Ten Tenors geboren.

Bill Lenehan, zu der Zeit General Manager bei Network Ten, erinnert sich genau an den Tag des Auftrittes: „Bei der Ankunft sahen die zehn eher aus wie eine Rockband als wie eine Gruppe von Opernsängern aus. Ich hab gedacht: ‚Oh nein! Worauf habe ich mich da bloß eingelassen?‘ Dann sind sie zum Soundcheck auf die Bühne gegangen und der ganze Raum verstummte und lauschte. Das war der Beginn ihrer Karriere.“

Ein umfangreiches Repertoire wurde sich angeeignet, so dass sie Anfang 1998 lauter kleine Erfolge verbuchen konnten, bis sie am Valentins Tag zufällig erfuhren, dass die Manager aller größeren Theater von Queensland in einem Restaurant zusammenkamen. Innerhalb von Minuten hatten sich die zehn in ihre Anzüge geschmissen, das Keyboard ins Auto eingeladen und hechteten zum besagten Restaurant. Die Theatermanager gingen davon aus, das Restaurant hätte die Musikeinlage organisiert und das Restaurant dachte die Theatermanager seien dafür verantwortlich. Und obwohl The Ten Tenors befürchteten, sie könnten das Restaurant im Streifenwagen verlassen, gingen sie mit einem Vertrag in der Tasche nach Hause!

Nachdem sie das ganze Land bereist, das australische Publikum begeistert und ihre Fangemeinde immer weiter ausgebaut haben, wagten sie 2001 den Sprung nach Europa, um auch hier, die Herzen ihrer Zuhörer im Sturm zu erobern. Hier (Dänemark, Holland, England, Österreich, Schweiz, Zypern vor allem aber in Deutschland) fanden The Ten Tenors in den letzten 4 Jahren großen Zuspruch und Unterstützung von ihrem Publikum.

Auf die Frage, ob sie sich anfangs hätten vorstellen können, eines Tages mit ihrem Programm überall auf der Welt auftreten zu dürfen, antwortet Dom Smith, einer der zehn australischen Tenöre: „Nein, niemals. Die kühnste Hoffnung war, dass wir durch die Einnahmen aus unseren Konzerten das Bier hinterher bezahlen könnten, bis wir das Studium abgeschlossen hätten.“ Die neun weiteren Tenöre – sie sind im Alter zwischen Anfang zwanzig und Anfang dreißig – stimmen Doms Erinnerung ohne weiteres zu.

Inzwischen sind die Ten Tenors ein Phänomen in der internationalen Musiklandschaft. Ihren Erfolg verdanken sie nicht zuletzt dem Umstand, dass sie etwas ganz Eigenes, Einzigartiges machen und sich in keine musikalische Schublade stecken lassen. Sie sind Opernsänger und Popstars, Rock’n’Roller, Entertainer und Varietékünstler – und zwar alles auf einmal. „Musikalische Chamäleons“ wäre – wenn überhaupt – die einzige passende Schublade für diese Gruppe.

Die Ten Tenors kamen zusammen, als jeder von ihnen noch Student an der Universität von Brisbane war. Damals traten die angehenden Sänger schon ab und zu in der Oper oder bei klassischen Konzerten auf. Doch trotz ihrer durchaus ernst gemeinten Beschäftigung mit der E-Musik merkten sie schnell, dass sie den meisten Spaß in der Garderobe hatten, wenn sie auf ihren Auftritt warteten. Wenn sie sich dann hinter der Bühne langsam warm sangen, entstand aus den Übungen regelmäßig und wider Willen eine Art ungeprobte, eben spontane Comedy Show.

Nachdem die Gesangsstudenten während ihrer Ausbildungszeit immer wieder bei verschiedenen Firmen Galas auftraten, beschlossen sie kurz vor Beendigung des Konservatoriums, ein Programm nach ihren eigenen Vorstellungen auf die Beine zu stellen. Einerseits wussten sie, dass es um feste Engagements im klassischen Fach ohnehin schlecht bestellt war, andererseits wollten sie mit ihrer Musik unterhalten und den Zuhörern im Saal genauso viel Spaß bereiten wie sie ihn selber hatten. Also machten sie sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft und sangen wo immer man sie ließ. Damit waren sie ein Risiko eingegangen, denn die Gruppe hatte weder die Erlaubnis der Schule noch irgendeine finanzielle Unterstützung. Doch die Bereitschaft zum Risiko zahlte sich bald aus.

„Es war ein kleiner Skandal“, denkt Liam McLachlan an die Anfänge der Ten Tenors zurück. Er selbst trat erst vor einem Jahr dem Zehnerbund bei. „Ich hatte später am Konservatorium begonnen und war entsprechend noch einige Semester hinter den Jungs zurück als sie das erste Mal auf diese eigen finanzierte Tournee gingen. Die meisten Kommilitonen meinten damals, dass sie verrückt seien, doch die Ten Tenors waren so überzeugt von dem was sie taten, dass sie das wohl kaum störte.“

Die Ten Tenors wurden von Konzert zu Konzert besser. Mit jedem Auftritt entwickelten sie das Programm ein wenig weiter, schleiften an ihren musikalischen Fähigkeiten und feilten an den komödiantischen Einlagen. Dabei traten sie in ihren „klassischen Anzügen“ auf. „Anfangs sangen wir ein ziemlich konservatives Repertoire. Die Comedy-Elemente bauten wir ein, damit wir Klassisches vortragen konnten, ohne dass das Publikum uns einzuschlafen drohte“, sagt Dom Smith. „Das war unsere Besonderheit. Jede Gruppe klassisch ausgebildeter Sänger kann Arien bringen, aber wir wollten die Musik einfach anders präsentieren…“ Heute nennen sie das „opera without the boring bits“, also „Oper ohne Langeweile“.

„Es ist auch die ungewöhnliche Kombination der Stimmen, die die Gruppe so einmalig macht“, stellt Matt Hickey, der Chef der Tenors, heraus. „Konventionelle Formationen werden gewöhnlich nicht nur aus Tenören zusammengestellt. Wir hingegen fokussieren uns bei den Arrangements ebenso wie bei unseren eigenen Kompositionen darauf, die ganze Bandbreite von Tenorstimmen in den verschiedenen Genres und im musikalischen Ausdruck auszureizen. Das ist immer wieder eine Herausforderung und sehr spannend!“

Diese Meinung scheinen auch die Zuschauer zu teilen. The Ten Tenors haben ständig neue Anhänger gefunden, vor allem nachdem sie beim deutschen Vorentscheid zum Grand Prix 2002 (wie auch im Jahr 2004) in Europa von sich reden machten und seitdem hier wie auch in den USA, in Australien und in Asien unzählige Konzerte gaben.

„Wir schätzen die Musikbranche schon realistisch ein“, sagt David Kidd, der seit 1998 zu den Ten Tenors gehört. „Wir sind ganz begeistert von dem, was wir tun, und wollen nicht als Strohfeuer in die Geschichte eingehen. Eine langjährige musikalische Karriere kann man aber nur dann haben, wenn man ständig unterwegs ist – und immer wieder auf der Bühne steht. Fans können sehr treu sein, allerdings nur, wenn man sich ihnen gegenüber ebenso loyal zeigt. Unsere Fans wissen, dass wir alles geben und dass wir uns ihnen ebenso wie uns untereinander verpflichtet fühlen.“

Es sind allerdings nicht nur die Fans, die die Originalität und hohe Qualität der Ten Tenors Performances zu schätzen wissen. Auch den Entscheidern beim großen US-Unterhaltungskonzern Disney kam die Musik der Ten Tenors zu Ohren, und so wurden die Australier vor kurzem gebeten, der Fortsetzung des Zeichentrickfilms „Jungle Book“ den Titelsong beizusteuern. „Das war einfach unglaublich“, schwärmt Drew Graham, festes Mitglied der Gruppe seit 1998. „Von Disney gefragt zu werden, bei der Fortsetzung des größten Kinderfilms aller Zeiten mitzumachen, das ist schon was! Ich glaube, wir haben gar nicht richtig kapiert welche Bedeutung dieser Song für uns hatte bis wir selbst im Kino saßen und wir unsere eigene Stimmen hörten während der Abspann lief. Das war wirklich cool!“

Nicht nur für Disney, auch für BMW sangen die Ten Tenors schon, nämlich zum Start eines neuen Fahrzeugmodells aus der Fünfer-Serie. „Wir warten allerdings immer noch auf unsere Autos“, witzelt Jason Turnball.

Die Ten Tenors haben in kurzer Zeit schon viel erreicht und freuen sich über ihren internationalen Erfolg. Doch sie wollen mehr: „Wir wollen uns musikalisch weiterentwickeln. Es gibt ja auch noch so viel wunderbare Musik, um die wir uns noch gar nicht gekümmert haben“, sagt Craig Atkinson. „Die Freude an der Musik steht bei uns an erster Stelle. Solange wir Spaß an dem haben, was wir machen und unser Publikum gut unterhalten wissen, bleiben wir dabei. Wir haben uns übrigens vorgenommen, jedes Mal besser zu werden als zuvor.“ Bisher ist ihnen das auch gelungen.