MICHAEL BOLTON

am 26. Februar 1953 in New Haven, Connecticut, geboren, war ein MOR-Star, wie er im Buche steht. Dabei gab er seine ursprünglichen Ambitionen, mit eigenen Kompositionen zu reüssieren, zunehmend zugunsten täuschend echt wirkender Coverversionen erprobter Songs auf. Der jüngste Sohn des Demokraten-Parteifunktionärs George Bolotin gründete 1978 mit Bruce Kulick (g), Jimmy Halsip (bg) und Sandy Germarro (dr) die Band Blackjack, mit der er bald die LP Blackjack aufnahm. Unter dem Namen Bolotin hatte Michael Bolton 1975 die LP Michael Bolotin und 1976 Every Day Of My Life veröffentlicht.

Da seine Mutter fand, daß der Name Bolotin „zu russisch“ klänge, gab er sich den Namen Bolton. Anfang der achtziger Jahre entschloß er sich endgültig zu einer Solo-Karriere und unterschrieb bei Columbia einen Vertrag. 1983 erschien die erste mit Michael Bolton betitelte LP, doch war Bolton entschlossen, neben seiner Sangeskunst weiterhin auch als Songschreiber zu arbeiten. So verschaffte er im Team mit Eric Kaz, Dionne Warren, Desmond Child beispielsweise Laura Branigan den Hit How Am I Supposed To Live Without You.

Er selbst versuchte es weiterhin mit hartem Rock, doch war sein erster größerer Erfolg die Soul-Ballade That’s What Love Is All About (1987). Bolton mischte fortan unter seine Eigenkompositionen immer wieder Soul-Klassiker von Ray Charles, Percy Sledge, Otis Redding. Die eigenen Songs paßte er seinem neugewonnenen Image als Balladen-Sänger an. Coverversionen wie (Sittin‘ On) The Dock Of The Bay, ursprünglich von Otis Redding gesungen, wurden zu seiner Domäne, erst recht, als er für sein Album The Hunger (1987) mit einem Grammy ausgezeichnet wurde. Er fuhr mit Songwriter-Kollegen nach Moskau und arbeitete an einem Glasnost-Album mit, dessen Songs von Amerikanern und Russen gemeinsam geschrieben wurden. Auf Boltons Musik blieb die Goodwill-Episode ohne weitere Auswirkungen. Mit Timeless (The Classics) (1992) fest, lobte allerdings auch seine „große Stimme.“

Alben wie The Hunger (1987), Soul Provider (1989), Time, Love And Tenderness (1991) und The One Thing (1993) verkauften sich durchweg millionenfach. Längst war Bolton in den Rock-Hochadel aufgenommen: Mit Ray Charles sang er zu dessen 50jährigem Showbiz-Jubiläum Georgia On My Mind, 1992 schrieb er mit Bob Dylan den Song Steel Bars, und wieder erhielt er für die beste Vocal Performance einen Grammy.

Dennoch gab es auch Schattenseiten in seiner Karriere: Die Isley Brothers verklagten Bolton, weil ihrer Ansicht nach der Millionen-Erfolg Love Is A Wonderful Thing ein Plagiat ihres gleichnamigen Songs sei. Bolton und sein Management beharrten auf der Originalität der Komposition. Gestohlen, geliehen oder gut abgelauscht – die Methode Boltons, Songs „auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner“ („Q“) zu reduzieren und Texte zu verfassen, die „einen durchschnittlich intelligenten Achtjährigen beleidigen“, war allzu leicht zu durchschauen.

„Letzten Endes wird diese Platte häufiger verkauft werden als beispielsweise eine neue Platte von Kate Bush“, resignierte das Magazin über The One Thing, „und mit Sicherheit wird Bolton wieder einen Haufen Grammys gewinnen. Ganz sicher wird er es sein, der zuletzt und am besten lacht.“

Um die Jahreswende 1997/98 beglückte der inzwischen kurzhaarige Sänger Freund und Feind mit einem musikalischen Doppelschlag: All That Matters (1997) war ein Bolton-Album wie gehabt, My Secret Passion (1998) machte das Publikum mit einer heimlichen Leidenschaft des „Tenors“ (Cover-Text) bekannt. Nach einem Auftritt mit Gesangs-Schwergewicht Luciano Pavarotti fand er Gefallen am Belcanto und sang nun ebenfalls die Hits aus Oper und Konzert.